CE-Kennzeichnung für KI: Wann Unternehmen sie nach dem EU AI Act wirklich brauchen
Die kurze Antwort: Wer ChatGPT, Copilot, Canva-KI oder andere fertige Tools im Unternehmen nutzt, braucht normalerweise keine CE-Kennzeichnung und keine eigene EU-Konformitätserklärung. Diese Pflichten betreffen vor allem Anbieter bestimmter Hochrisiko-KI-Systeme, bevor sie ein solches System auf den Markt bringen oder in Betrieb nehmen.
Unsicher, welche Rolle dein Unternehmen bei KI überhaupt hat?
Der kostenlose Selbstcheck ordnet deine berufliche KI-Nutzung ein – von alltäglichen Tools bis zu sensiblen Einsatzbereichen.
Kostenlosen AI-Act-Selbstcheck starten →Braucht mein Unternehmen eine CE-Kennzeichnung für KI?
In den meisten kleinen Unternehmen lautet die Antwort: nein. Eine Agentur, ein Online-Shop, ein Freelancer oder ein Handwerksbetrieb wird durch die bloße Nutzung von ChatGPT, Bild-KI, Übersetzungssoftware oder einer KI-Funktion im CRM nicht automatisch zum Hersteller eines KI-Systems.
Die CE-Kennzeichnung nach dem EU AI Act ist vor allem ein Thema für Anbieter von Hochrisiko-KI. Gemeint sind Unternehmen, die ein entsprechendes KI-System entwickeln oder unter ihrem Namen auf den Markt bringen beziehungsweise erstmals in Betrieb nehmen. Vorher müssen sie die Konformität bewerten, eine EU-Konformitätserklärung erstellen und die CE-Kennzeichnung anbringen.
| Typischer Fall | CE-Kennzeichnung? | Was stattdessen prüfen? |
|---|---|---|
| Du nutzt ChatGPT für Entwürfe, E-Mails oder Recherche. | Nein | Datenschutz, interne Regeln, Ergebnisprüfung und ggf. Transparenz. |
| Du betreibst einen KI-Chatbot im Kundenservice. | Normalerweise nein | Hinweis, dass Menschen mit KI interagieren, Datenschutz und Eskalation zum Menschen. |
| Du entwickelst KI für Bewerberauswahl, Kreditwürdigkeit oder bestimmte Medizinprodukte. | Kann erforderlich sein | Hochrisiko-Einstufung, Konformitätsbewertung, technische Unterlagen und weitere Anbieterpflichten. |
| Du passt ein fremdes KI-System wesentlich an oder bringst es unter eigener Marke auf den Markt. | Genau prüfen | Ob du rechtlich selbst zum Anbieter wirst und welche Pflichten dadurch entstehen. |
Anbieter, Betreiber, Nutzer: Warum diese Rolle alles verändert
Die Frage „Brauche ich CE?“ lässt sich nicht anhand der Unternehmensgröße beantworten. Entscheidend ist deine Rolle im Umgang mit dem KI-System.
Anbieter
Entwickelt ein KI-System oder lässt es entwickeln und bringt es unter eigenem Namen auf den Markt. Bei Hochrisiko-KI entstehen hier die umfangreichsten Pflichten.
Betreiber
Setzt ein KI-System im beruflichen Kontext ein, etwa im Unternehmen, in einer Praxis oder Behörde. Betreiberpflichten hängen stark vom konkreten Einsatz ab.
Normaler Nutzer
Verwendet ein Standardtool für Alltagstätigkeiten. Auch dann können Datenschutz, Qualitätskontrolle oder Transparenz relevant sein – CE aber nicht automatisch.
Ein häufiger Denkfehler lautet: „Wir haben einen Anbieter gewählt, also ist alles erledigt.“ Das kann zu kurz greifen. Wer KI beruflich einsetzt, sollte trotzdem wissen, welches Tool genutzt wird, welche Daten hineingehen, ob Menschen betroffen sind und wer Ergebnisse prüft. Dafür ist unsere AI-Act-Checkliste für Unternehmen der sinnvolle nächste Schritt.
Wann wird KI zur Hochrisiko-KI?
CE-Kennzeichnung kommt im AI Act vor allem bei Hochrisiko-KI ins Spiel. Hochrisiko bedeutet nicht einfach „sehr leistungsfähig“. Entscheidend ist, ob eine KI in einem gesetzlich benannten Bereich eingesetzt wird oder als sicherheitsrelevanter Bestandteil eines regulierten Produkts wirkt.
Typische Bereiche, die besonders genau geprüft werden müssen, sind:
- Recruiting, Bewerberauswahl und Personalmanagement,
- Bildung und Prüfungsbewertung,
- Kreditwürdigkeits- und bestimmte Versicherungsbewertungen,
- kritische Infrastruktur,
- bestimmte Medizinprodukte und sicherheitsrelevante Produkte,
- Biometrie, Migration, Justiz und bestimmte Behördenentscheidungen.
Das ist keine automatische Einstufung jeder Software in diesen Branchen. Der konkrete Zweck, die Funktion und der mögliche Einfluss auf Menschen zählen. Die vollständige Einordnung findest du in AI Act Risikoklassen 2026: Hochrisiko-KI erkennen.
Konformitätsbewertung, EU-Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung: der Ablauf
Wenn du Anbieter eines Hochrisiko-KI-Systems bist, ist CE kein Design-Element, sondern das sichtbare Ende eines Compliance-Prozesses. Vereinfacht läuft dieser so ab:
- System und Rolle einordnen: Ist es tatsächlich Hochrisiko-KI? Bist du Anbieter oder nur Betreiber?
- Anforderungen umsetzen: Je nach Fall gehören Risikomanagement, Daten-Governance, technische Dokumentation, Protokollierung, menschliche Aufsicht, Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit dazu.
- Konformität bewerten: Das vorgesehene Verfahren wird vor dem Inverkehrbringen oder der Inbetriebnahme durchgeführt.
- EU-Konformitätserklärung ausstellen: Der Anbieter erklärt schriftlich, dass das System die einschlägigen Anforderungen erfüllt.
- CE-Kennzeichnung anbringen: Erst dann wird die CE-Kennzeichnung am System, an der Verpackung oder den Begleitunterlagen angebracht – soweit dies im konkreten Fall vorgesehen ist.
- Nachweise und Überwachung sicherstellen: Pflichten enden nicht mit dem ersten Verkauf oder Einsatz. Änderungen, Vorfälle und die weitere Überwachung müssen berücksichtigt werden.
Was gilt seit 2026?
Der AI Act gilt stufenweise. Verbotene KI-Praktiken und die Pflicht zur KI-Kompetenz gelten bereits seit Februar 2025. Regeln für General-Purpose-AI-Modelle gelten seit August 2025. Seit dem 2. August 2026 gelten zudem Transparenzpflichten für bestimmte KI-Systeme und Inhalte. Für Hochrisiko-KI gelten abhängig vom Bereich längere Übergangsfristen.
Für Unternehmen, die vor allem generative KI einsetzen, ist deshalb aktuell häufiger die Frage nach KI-Kennzeichnungspflicht nach Artikel 50 relevant – nicht die CE-Kennzeichnung. Bei Chatbots, Deepfakes und bestimmten KI-generierten Inhalten geht es um Transparenz gegenüber Nutzern und Öffentlichkeit. Das ist etwas völlig anderes als die CE-Kennzeichnung eines Hochrisiko-KI-Systems.
Praxis-Checkliste: Was dein Unternehmen jetzt tun sollte
Für die meisten Unternehmen, Agenturen und Selbstständigen:
- Alle beruflich genutzten KI-Tools erfassen.
- Prüfen, welche Daten eingegeben und welche Ergebnisse veröffentlicht oder für Entscheidungen genutzt werden.
- Eine klare interne KI-Regel für Mitarbeitende und Dienstleister festlegen.
- KI-Ergebnisse vor Veröffentlichung oder wichtigen Entscheidungen menschlich prüfen.
- Bei Chatbots, KI-Medien und Deepfakes Transparenzpflichten gesondert bewerten.
- Wenn KI in HR, Medizin, Finanzen, Bildung, Verwaltung oder kritischer Infrastruktur eingesetzt wird: Risikoklasse und Rolle vertieft prüfen.
- Erst bei eigener Hochrisiko-KI als Anbieter das Thema Konformitätsbewertung und CE vollständig aufsetzen.
Diese Ratgeber passen als Nächstes
Risikoklassen, Beispiele und Pflichten verständlich einordnen. Verbotene KI →
Welche Anwendungen nach Artikel 5 nicht eingesetzt werden dürfen. ChatGPT im Business →
Datenschutz, Transparenz und die häufigsten Alltagsfehler.
Häufige Fragen zur CE-Kennzeichnung für KI
Brauche ich für ChatGPT eine CE-Kennzeichnung?
Nein, die normale berufliche Nutzung von ChatGPT löst keine eigene CE-Kennzeichnung aus. Prüfe stattdessen insbesondere Datenschutz, Vertraulichkeit, menschliche Prüfung der Ergebnisse und mögliche Transparenzpflichten.
Wer muss eine EU-Konformitätserklärung für KI erstellen?
Grundsätzlich der Anbieter eines Hochrisiko-KI-Systems. Er erklärt damit, dass sein System die einschlägigen Anforderungen erfüllt. Betreiber gewöhnlicher Standardtools erstellen nicht automatisch eine solche Erklärung.
Ist jeder KI-Chatbot CE-pflichtig?
Nein. Ein KI-Chatbot ist nicht allein wegen seiner KI-Funktion ein Hochrisiko-System. Für viele Chatbots ist vielmehr wichtig, dass Nutzer erkennen können, wenn sie mit KI interagieren.
Was ist der Unterschied zwischen CE-Kennzeichnung und KI-Kennzeichnung?
Die CE-Kennzeichnung betrifft die Konformität bestimmter Hochrisiko-KI-Systeme. Eine KI-Kennzeichnung nach Artikel 50 betrifft Transparenz, etwa bei KI-Interaktionen, Deepfakes oder bestimmten KI-generierten Inhalten. Das sind zwei unterschiedliche Pflichtenbereiche.
Reicht ein Selbstcheck als Konformitätsbewertung?
Nein. Der kostenlose Selbstcheck bietet eine erste Orientierung. Eine förmliche Konformitätsbewertung für Hochrisiko-KI verlangt eine deutlich weitergehende, systembezogene Prüfung und Dokumentation.
Offizielle Quellen zum EU AI Act
Die Einordnung auf dieser Seite orientiert sich am Gesetzestext und den Informationen der Europäischen Kommission:
Erst Rolle und Risiko klären – dann handeln
Der Selbstcheck zeigt dir in wenigen Minuten, welche Themen für deine KI-Nutzung relevant sein können.
Jetzt kostenlos prüfen →Stand: August 2026. Diese Seite bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung oder Prüfung des Einzelfalls. Maßgeblich sind der EU AI Act sowie die konkrete Rolle, das KI-System und sein Einsatzzweck.
